Eine Bargeldstudie der Erste Bank und Sparkasse bietet einen detaillierten Einblick in das emotionale Thema Bargeld vs. Kartenzahlung: Das erwarten die Österreicher:innen an der Kassa.

Die Österreicher:innen und ihr Bargeld: Statistiken zeigen, dass Österreich in Sachen Kartenzahlung europaweit noch immer auf den hintersten Plätzen verortet ist. Doch lösen sich alte Muster langsam auf und wagt die Bevölkerung einen Schritt in Richtung digitaler Zahlungslösungen? Welche Bevölkerungsgruppen bevorzugen welche Zahlungsmethoden? Und stimmt es weiterhin, dass nur die jungen Österreicher:innen Kartenzahlungen bevorzugen? Das und noch vieles mehr wurde 2025 im Rahmen eine Bargeldstudie der Erste Bank und Sparkasse untersucht.
Die Bezahlmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren vervielfältigt: per Karte, Smartwatch, Handy oder einfach weiterhin mit Bargeld. Doch was von wem bevorzugt wird, ist genauso unterschiedlich wie die Zahlungsmöglichkeiten an sich.
Wer zahlt wie?
Ganz grundlegend und nicht sonderlich überraschend ist, dass vor allem ältere Menschen das Bargeld bevorzugen, während junge lieber per Karte bezahlen. Im Vergleich zur Studie 2023 ist die Gruppe der Menschen, die Kartenzahlungen bevorzugen, heute stärker durchmischt. Vor zwei Jahren waren Kartenzahlungen bei der Gruppe bis 39-Jährigen sehr beliebt, heute gilt das bis zu den 49-Jährigen. Die Gruppe wurde also breiter: Unter den 40-49-jährigen bezahlen bereits 47 Prozent der Befragten lieber mit Karte.
Ein weiterer Faktor, der dabei eine Rolle spielt, ist der Wohnort - da ist ganz klar ersichtlich, dass Menschen in Städten überdurchschnittlich oft mit Karte zahlen: So bezahlen in Wien 51 % der Befragten lieber mit Karte. Der Anteil ist daher deutlich höher als in den anderen Bundesländern. Das liegt vermutlich nicht nur an der Einstellung in den Städten, sondern auch an der Verfügbarkeit, die am Land vielfach noch immer fehlt.
Kartenzahlungen häufen sich – Angebot ausbaufähig
Der Anteil der Kartenzahlenden hat sich in den letzten zwei Jahren nicht wirklich verändert: 81 % der österreichischen Bevölkerung zahlen zumindest gelegentlich mit der Karte, bei 38 % überwiegt die Kartenzahlung. Trotzdem steigen die Kartenzahlungen an. Der Grund dafür ist, dass es insgesamt mehr Gelegenheiten gibt, bargeldlos zu bezahlen. Der Anteil der Kartenzahler:innen bleibt unverändert, die Häufigkeit der Nutzung steigt aber. Die Gruppe der Kartenzahlenden hat häufig das Gefühl, unfreiwillig mit Bargeld bezahlen zu müssen. Das betrifft besonders Gemüse-/Bauernmärkte, Handwerker, kleine Bäckereien, Trafiken, Kaffeehäuser, Friseure und Ärzte. Für diese Branchen besteht also eine gute Chance auf mehr zufriedene Kund:innen, indem die Wahlfreiheit zwischen Bargeld und Kartenzahlungen angeboten wird.
Die Möglichkeiten, mit Karte zu zahlen, steigen also. Gleichzeitig sind diese Möglichkeiten für viele aber noch nicht weit genug verbreitet. Was weiterhin gilt: Umso höher der Betrag, desto eher wird mit Karte bezahlt. Die meistgenutzten Gelegenheiten sind seit 2023 unverändert. Dazu zählen Einkäufe:
- in Supermärkten
- von Kleidung
- im Baumarkt
- in Elektronik-Fachgeschäften
- im Kino
- beim Arzt/Therapeuten
Bargeld nach wie vor beliebt in Österreich
Dass Bargeld vor allem in Österreich einen sehr hohen Stellenwert hat, ist nichts Neues. Trotzdem sind die Entwicklungen relativ überraschend: Der Anteil der überwiegenden Bargeldzahler:innen hat im Vergleich zu 2023 um 4 % zugenommen und liegt jetzt bei 52 %. Das lässt sich als eine Folge der Coronakrise erklären: Damals wurde zum "kontaktlosen Zahlen” aufgerufen. Als die Pandemie vorüber war, nahm auch die Bargeldzahlung wieder zu. 19 % der Befragten zahlen ausschließlich mit Bargeld – diese Gruppe ist zum Großteil älter als 70 Jahre. Reine Kartenzahler:innen machen hingegen nur 4 % aus. Das liegt auch daran, dass Kartenzahlung noch nicht überall akzeptiert wird und Bargeld manchmal noch unfreiwillig verwendet werden muss. Nur 4 % der österreichischen Bevölkerung besitzt keine Bankkarte, egal ob Debit- oder Kreditkarte.
Die Einstellung zu Bargeld ist nach wie vor sehr positiv: 88 % der Bevölkerung erachten es als wichtig, dass es Bargeld gibt. Dabei spielt ein Gefühl von Kontrolle und Überblick eine bedeutende Rolle, obwohl sich Online Banking Apps in den letzten Jahren stark entwickelt haben und je nach Anbieter mittlerweile detaillierte Einblicke in die eigenen Ausgaben bieten, etwa bei der App George der Erste Bank.
Regionale und demografische Unterschiede – wer bevorzugt was?
Besonders Menschen in den Städten sind affin gegenüber Kartenzahlungen. Die Bewohner:innen der Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich bevorzugen überdurchschnittlich oft das Bezahlen mit Bargeld. Genau das gleiche gilt auch für die Bewohner:innen in kleinen Ortschaften und Gemeinden. Vor allem die Oberösterreicher:innen zahlen überdurchschnittlich viel in bar und vertreten eine überaus positive Einstellung dazu. Auch bei Personen ab 50 Jahren, Menschen ohne Matura und Pensionist:innen dominieren Bargeldzahlungen.
Der Zusatzaufwand wird dagegen als häufigster Grund genannt, warum die Bargeldbeschaffung als mühsam erachtet wird. Vor allem in Dörfern kann das ein Problem darstellen, da Bankomaten dort nicht immer schnell verfügbar sind. Eine Studienteilnehmer:in bemängelt die fehlenden Möglichkeiten folgendermaßen: „Weil in kleineren Dörflein nur ein bis gar kein Bankautomat ist. Wenn ich bei mir an meinen Wohnort denke, gibt es einen und da muss man Glück haben, dass man ein Geld bekommt. Eine Ortschaft weiter gibt es drei Bank Filialen, aber sonst nirgends einen Bankomaten.“ Eine weitere Befragte klagt darüber, dass sie extra mit dem Bus fahren muss, um zum nächsten Bankomaten zu gelangen. Und da sie auf einen Rollator angewiesen ist, ist die Reise zum Bargeld äußerst mühsam. Diese Zahlen bieten aus unserer Sicht aber eine Chance für Betriebe in den ländlichen Regionen: Da Bargeldbeschaffung als Hindernis angesehen wird, kann das Akzeptieren von bargeldlosen Zahlungsmethoden dazu führen, dass Einkäufe doch getätigt und Konsumationsmöglichkeiten doch ergriffen werden, wenn Menschen gerade kein Bargeld bei sich haben. Betriebe, die hier bargeldlose Bezahlung akzeptieren, können also im Vorteil sein.
Die Reserve in der Schublade
Das “Reservegeld” in den eigenen vier Wänden erlebt momentan wieder einen Aufschwung: Über 30 % haben mehr als 300 € zu Hause versteckt. Dieser Anteil hat sich seit 2023 um 7 % gesteigert. Nur 25 % hingegen haben gar nichts zu Hause, während die restlichen 45 % unter 300 € daheim horten. Der Unterschied zwischen Barzahlenden und Kartenzahlenden ist dabei nicht groß: 33% der überwiegenden Kartenzahler:innen haben kein Bargeld zuhause, während es bei den ausschließlich Barzahler:innen auch immerhin 21 % sind. Allerdings bewahren Barzahlende im Vergleich größere Summen zu Hause auf.
Das Geld in der Tasche
Grundsätzlich gilt: Je mehr man mit Karte zahlt, desto weniger Bargeld hat man bei sich. Trotzdem nehmen die Scheine und Münzen in der Geldtasche zu: 28 % der Bevölkerung haben über 100 Euro bei sich, was einen Anstieg von 4 % gegenüber 2023 bedeutet. Die Gruppe, die unter 50 Euro bei sich führt, sinkt dafür leicht und befindet sich momentan bei 41 %. Beides hat vermutlich auch mit der Inflation zu tun.
Trends am Vormarsch - Der digitale Zahlungsverkehr
Eine Veränderung, die sich sehr deutlich abzeichnet, ist die Digitalisierung von Bankkarten. Egal ob dabei Bezahlmethoden wie Kreditkarten oder Debitkarten und Endgeräte wie Smartphones oder Smartwatches verwendet werden, die Möglichkeit der Digitalisierung von Karten nimmt zu. 2023 wurden Digitale Karten von nur 18 % genutzt, 2025 sind es bereits 32 %. Denn nicht nur die Nutzerzahlen steigen, sondern auch die Annahmestellen werden immer mehr. Sogar bei den überwiegenden Barzahlenden haben schon 24 % die Karte digitalisiert. Bei den überwiegenden Kartenzahlenden sind es sogar 50 %. Eines lässt sich aber bestätigen: Wenn man die Karte digital zur Verfügung hat, zahlt man deutlich öfter damit.
Bargeld in Österreich weiterhin beliebt – Gruppe der Kartenzahlenden breiter
Alles in allem ergibt diese Studie, dass es zwar kleine Änderungen gibt, aber der Grundgedanke und Umgang mit Bargeld sehr gleich geblieben sind. Die Einstellung dazu ist nach wie vor sehr positiv. Nur 2 % der Bevölkerung vertritt eine negative Ansicht gegenüber Bargeld. Bargeld hat also eine sehr geringe Gegnerschaft in Österreich, der Großteil der Kartenzahlenden hingegen hat eine neutrale Haltung dazu. Die Furcht vom aussterbenden Bargeld in Österreich scheint also unbegründet, Veränderungen sind nur in einzelnen Aspekten sichtbar. Auch die Kartenzahlenden sind überwiegend positiv gegenüber Bargeld eingestellt – vermissen aber immer noch häufig die Möglichkeit, mit der Karte zu bezahlen. Die Gruppe der Kartenzahlenden wird außerdem breiter. Für heimische Unternehmen zeigt diese Studie zusammengefasst, dass die Wahlfreiheit der Bezahlmethode wichtig ist, um Kundenerwartungen zu erfüllen.

