Bargeld ist in Österreich noch weit verbreitet. Doch das ist nicht überall so: In vielen Ländern und Städten will oder hat man sich bereits weitgehend von Bargeld verabschiedet. Wie funktioniert das und wie sieht die Situation in Österreich aus?

China: Alltag ohne Bargeld
Die chinesische Stadt Shenzhen gilt in China als das Aushängeschild für Modernität und Fortschritt. Nicht nur technologisch soll die Stadt zeigen, was China leisten kann, auch der Alltag dort verläuft höchst modern. Shenzhen testet seit Jahren den Einsatz digitaler Währungen. 2020 führte die Stadt ein Real-Life-Experiment durch: alltägliches Leben ohne Bargeld.
Dazu erhielten 50.000 Bewohner:innen des Luhou-Distrikts rote Umschläge. Diese enthielten jeweils 200 chinesische Renminbi (ungefähr 24 Euro) der nationalen Währung in digitaler Form. Umgerechnet ein Wert von insgesamt 1,2 Millionen Euro. Die Versuchsteilnehmer:innen konnten mit einer digitalen Währungsapp bezahlen und hatten fünf Tage Zeit, ihr Geld auszugeben. Das war in 3.400 teilnehmenden Geschäften möglich. Die App erzeugt einen QR-Code, um zu bezahlen. Die Verkäufer:innen scannen den Code, es piepst und die Transaktion war erfolgreich. Für die Bevölkerung war das allerdings nichts Neues. Digitales Bezahlen ist dort längst Alltag.
Die digitale Währung ist in China heutzutage weit etabliert. Neben Shenzhen wird damit in Suzhou, Shanghai, Chengdu und Peking bezahlt. Staatliche Banken bewerben unterschiedliche digitale Finanzprodukte. Bürger:innen können sich beispielsweise ihr Gehalt in digitalen Renminbis auszahlen lassen.
Skandinavien: Digitaler Vorreiter Europas
Auch in Schweden und Dänemark wird Bargeld zunehmend seltener. In beiden Ländern werden 90 % aller Einkäufe bargeldlos bezahlt. In Österreich zahlen nur 35 % überwiegend mit Karte (Bargeldstudie der Erste Bank und Sparkasse 2025). Zahlreiche Geschäfte in Stockholm und Kopenhagen akzeptieren überhaupt kein Bargeld mehr. Warum Karten- und Onlinezahlungen dort so beliebt sind, hat mehrere Gründe. Erstens gibt es eine hohe Dichte an Kartenlesegeräten. Zweitens gibt es populäre Zahlungsapps, offiziell von Banken entwickelt. Umfragen zeigen, dass 95 % der 15- bis 65-jährigen Schwed:innen solche Apps auf ihrem Smartphone installiert haben. Der nächste Schritt: digitale Währungen. Die schwedische Zentralbank arbeitet aktuell an einer digitalen Version der Landeswährung, der “e-Krone”. Nicht nur die Akzeptanz von bargeldlosen Zahlungen ist hoch, sondern der Staat fördert die Entwicklungen aktiv.
Dubai: Innovation auf allen Ebenen
Auch in Dubai wird fast überall bargeldlos bezahlt – im Hotel, Taxi oder auf Märkten. Die Stadt setzt verstärkt auf Innovation und dabei spielen bargeldlose Zahlungsmittel eine zentrale Rolle. Nicht nur Big-Players, sondern auch kleine und mittelständische Betriebe nehmen bargeldlose Zahlungen an. Die Vorteile davon: Kosteneffizienz, einfache Handhabung und Flexibilität. Die Vereinigten Arabischen Emirate arbeiten momentan an einem Ausbau der Digitalisierung, der auch eine digitale Währung vorsieht. Nebenbei testen sie auch neue Finanztechnologien wie Blockchain.
Wie sieht die Sache in Österreich aus?
Österreich gilt nach wie vor als Bargeldland, doch auch hier zeigen sich fortschrittliche Tendenzen. Eine Bargeldstudie 2025 der Erste Bank und Sparkasse untersuchte das Zahlungsverhalten in Österreich: Veränderungen in der Bevölkerung sind deutlich sichtbar. Und in unserer Terminal-Studie haben wir gezeigt, dass sich die Anzahl an POS Terminals pro 1.000 Einwohnern in den vergangenen Jahren sogar verdoppelt hat! Auch der österreichische Staat arbeitet an einer digitalen Währung. Was genau ist der Unterschied zu Online-Banking?
Was ist eine digitale Währung?
Digitale Währungen sind staatlich ausgegebene Landeswährungen - also keine Kryptowährungen wie Bitcoin oder XRP. Dabei handelt es sich um “öffentliches Geld", wird also von einer Zentralbank ausgegeben. Das Geld von den anderen Banken heißt “Privates Geld”. Digitale Währung stellt eine zusätzliche Bezahlmethode zum Bargeld dar, soll dieses also nicht komplett ersetzen. Diese Währung besitzt ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem, was mehr Schutz und bessere Privatsphäre gewährleistet. Das Ziel ist es, den Zahlungsverkehr sicherer, schneller und kostengünstiger zu gestalten. Zusätzlich wird die Unabhängigkeit von großen Tech-Unternehmen gewahrt.
Der digitale Euro: Wie geht es weiter?
Auch Europa plant, die Zukunft bargeldloser zu gestalten. 2023 begannen erste Tests für den digitalen Euro, ein digitales Zahlungsmittel, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickelt wird. Der digitale Euro könnte eine zusätzliche digitale Version des herkömmlichen Euro werden. Öffentliches Geld ist momentan nur als Bargeld im Umlauf. Eine digitale Währung ermöglicht daher erstmals bargeldloses Bezahlen mit öffentlichem Geld. Das Bezahlen damit ist gebührenfrei und auch offline möglich. Der digitale Euro steht allen Bewohner:innen des Euroraums zur Verfügung und ermöglicht unterschiedlichste Transaktionen:
- Einkaufen im Geschäft
- Überweisung von Person zu Person
- Bezahlen in Onlineshops
- Rück- und Auszahlungen
- Überweisungen an staatliche Stellen
Das Projekt “digitaler Euro” besteht aus vier Phasen und befindet sich momentan in der zweiten: “Vorbereitungsphase: Teil 1”. Diese läuft seit November 2023 und endet im Oktober 2025. Sie bildet die Grundlage für weitere Entwicklungen: Suche nach möglichen Marktteilnehmern und Erarbeiten des Regelwerkes. Dieses gibt vor, wie die Nutzung im gesamten Euroraum aussehen soll. Der zweite Teil der Vorbereitungsphase wird im November 2025 starten. Die Weiterentwicklung und die Anpassung an den Markt stehen dabei im Vordergrund.
Wie schaut die Zukunft aus?
Wann der digitale Euro kommt, ist noch offen. Fest steht: Bargeldlose Zahlungen befinden sich am Vormarsch, technisch sowohl als auch gesellschaftlich. Sie bieten eine innovative Ergänzung zum herkömmlichen Bargeld an, ohne es zu ersetzen. Egal ob per Smartphone, Smartwatch oder QR-Code, es gibt etliche Möglichkeiten zu bezahlen und es werden noch mehr. Von den Entwicklungen profitieren nicht nur Händler:innen, sondern vor allem die Bevölkerung.
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